Stefania Panitzek – Alteuropäische Göttinnen und Symbole

Stefania Panitzek ist Kunstpädagogin, Malerin und Autorin

„In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“ Hermann Hesse
(Damit meine ich die Anfänge der alt-europäischen Kultur.)

Zur Person

Studium der Theaterpädagogik in Katowice/Kattowitz in Polen

Studium der Kunstpädagogik, Pädagogischen Psychologie und Kinder- und Jugendliteratur in Frankfurt/Main

Studium der Belletristik an der Akademie für Fernstudien in Hamburg


Zur Vorgeschichte meines Interesses

Als ich 1993 auf die Ausstellung „Die Sprache der Göttin“ im Frauenmuseum Wiesbaden stieß und mir den Ausstellungskatalog durchlas, wurden in mir wieder Kindheitserinnerungen wach.

Bald schrieb ich einige Gedichte, die das Resultat meiner Auseinandersetzung mit der alteuropäischen Zivilisation waren.
In der Ausstellung in Wiesbaden gab es Originale und Repliken der Kultobjekte aus Alt-Europa. Aus dem Katalog, und auch später aus den beiden Hauptwerken Marija Gimbutas „Die Zivilisation der Göttin“ und die „Sprache der Göttin“, erfuhr ich, dass es dort viele Göttinnengestalten und einige Göttergestalten gab.

Die Schlangen-, Vogel-, Kröten-, Igel-, Frosch-, Fisch, Bienen- und Schmetterlingsgöttin waren alles Aspekte der einen Großen Göttin. Außerdem gab es die schwangere Göttin, die gebärende anthropomorphe Göttin. Männliche Gottheiten sind bekannt als der jugendliche kraftvolle Gott, Herr der Wälder und der sorgenvolle Gott.

Das Hauptgebiet des Alt-Europa lag in Südost-Zentraleuropas, Gewöhnlicherweise benannten die Archäologen die Regionalkulturen nach dem Ortsnamen der jeweiligen Fundstätte. So gibt es z.B. die Cucuteni-Kultur (am besten erforscht), die Vinca-Kultur, Gumelnita-Karanovo-Kultur, Bükk-Kultur, Sesklo- und die Lengyel-Kultur.

Die alteuropäischen Gefäße, Tongeräte, Statuetten und Kultobjekte sind herausragende vorgeschichtliche Kunstwerke. Die Kunstartefakte haben es mir dermaßen angetan, dass ich in vergangenen Jahren manche Tonfiguren und Vasen, stammend aus verschiedenen Regionalkulturen Alt-Europas, nachgemacht habe.

Was mich an Alt-Europa besonders fasziniert, ist die Tatsache, dass es dort trotz der bereits existierenden Metallurgie keine todbringenden Waffen gab. Diese lebensbejahende Kultur war matrilinear organisiert. An der Spitze der Kulturen stand eine Priesterkönigin mit einem Frauenrat. Die beiden Geschlechter koexistierten friedlich nebeneinander. Es gab keine Hierarchien und keine Unterordnung des einen Geschlechts unter das andere, wie wir das heute noch kennen.

Durch den dreimaligen Einfall der berittenen und bewaffneten Steppenvölker aus der südrussischen Steppe in Alt-Europa wurde diese Hochkultur nach und nach zerstört.

„Von etwa 4 500 v. Ch. an wurde mit dem Reiterpferd das Morden in Europa zu einem beherrschenden Aspekt des Lebens.“ ( M. Gimbutas, Zivilisation der Göttin, S. 354)

Die größte Leistung Marija Gimbutas ist, dass sie die vielfältigen Symbole des alteuropäischen Glaubens an die Große Göttin enträtselt hat.

[nggallery id=2]

Erinnerungen an meinen Geburtsort

Ich denke an die dunkelrote Farbe des Fußbodens in allen Häusern und an die roten Türen und Fensterrahmen, wie im Blut gebadet, an die Schlangen, die man nicht töten durfte.
Doch, mein Bruder tötete eine von ihnen einmal in den Sommerferien als Schuljunge. Später trug er ihren traurigen, leblosen Körper als Trophäe nach Hause.
Mein Herz pochte wie ein Donner in Erwartung der größten Strafe.
Ich hatte Angst, dass die Rache sofort geschieht und wie ein schneller Adler mit seinen großen Flügeln, wie eine bleierne Decke dunkel vom Himmel herabfällt und uns für immer darunter begräbt.
Es passierte aber nichts. Vielleicht ist doch etwas vorgefallen, nur ich erkannte es nicht.
Oft redeten wir Kinder darüber, auf welche Weise sich das Ende der Welt ereignen würde.
Mit weit ausgebreiteten Armen drehten wir uns dann schnell im Kreis.
Bald spürten wir, wie die Erde unseren Füßen entkam und wie rasch sie sich weigerte, uns zu tragen. Wir waren außer uns und fielen um.
Ich erinnere mich an die unsichtbare allgegenwärtige Göttin des Mittags, als ich mit meinen Geschwistern Blaubeeren im Wald sammelte.
Der warme Wind liebkoste weich mit seinem Atem das samtene Moos, die spitzen Gräser und die kühlen Farne. Mit einem leisen Flüstern verbeugten sie sich vor ihm.
Dann kam das Sonnenlicht und erfasste die Bäume in langen Wellen. Es verschmolz mit dem Wind.
Gleichzeitig kam sie, die Mittagsgöttin mit einem hellen Echo, was meinen Körper vor Schrecken und Ehrfurcht erzittern ließ.
Die heulenden Hunde kündigten den überall lauernden Tod an.
Mein Vater rätselte nachdenklich darüber, wessen Haupt sie am nächsten Tag zu Boden fallen lassen würde.
Ich erinnere mich noch ganz genau an sie, an die Göttin des Todes und der Geburt.
Mit welcher Vorfreude erwartete ich oft eine wundersame Nachricht, in wessen Familie wieder ein kleines Kind geboren wurde.
In meiner Kindheit war mein Geburtsort der einzig existierende Fleck, denn der Horizont schnitt von allen Seiten mit seiner luftigen Kuppel die weitere Sicht ab.
Ich konnte mir nichts anderes außer dieser Welt vorstellen.
Sie erwuchs in meinem Kopf zu einer kosmischen Größe.

Bei Interesse an der Nachbildung der alt-europäischen Figuren und Gefäße rufen Sie mich bitte an unter 0176/984 20 351 oder senden Sie mir eine Mail stefaniepanitzek@gmx.de

Login

Lost your password?