Mittagsandachten von Heiden/Paganen auf der IGA

Vom 13. April bis zum 15. Oktober findet in Berlin die Internationale Gartenbauaustellung in Berlin statt.

Neben wundervollen Gärten, achitektonischen Highlights gibts es auch einen Pavillon „Dialog der Kulturen“, in dem zahlreiche verschiedene religiöse und spirituelle Gruppen die Mittagsandacht und weitere Veranstaltungen anbieten.

Auch hier sind wir als Heiden/Pagane dabei und gestalten am 9. und 16. Mai die Mittagsandacht.

9. Mai 12.00 bis 12.30 Uhr Ragna (Asatru) / Sinmara (PFI e.V.)

16. Mai 12.00 bis 12.30 Uhr Gisela (Fellowship of Isis) / Patricia (Asatru)

Pavillon „Dialog der Kulturen“

Bericht zur ersten Mittagsandacht am 9. Mai

Ein spiritueller Ort auf der IGA?

Die IGA ist die Internationale Gartenbauausstellung, die in diesem Jahr in Berlin stattfindet. Wir wurden explizit als Heiden, die im interreligiösen Dialog aktiv sind, eingeladen, bei den Mittagsandachten, die jeden Tag von 12.00 bis 12.30 im Pavillon „Dialog der Kulturen“ stattfinden, mitzuhelfen.
Gestern, am 9.5., war der erste Termin, am 16.5. werden wir noch einmal vor Ort sein.
Wir wollen einen kleinen Bericht und den Meditationstext von gestern mit euch teilen.

Der Pavillon ist ein kleines Gebäude mit Wänden überwiegend aus Glas, der auf einer Wiese steht. Ich war ein wenig hin- und hergerissen, ob ich das schmucklose Design nun gut, weil neutral finde oder einfach nur kalt. Leider gab es auch weder im noch vor dem Pavillon Hinweise auf diese Mittagsandachten.
Außen rund ist der Raum innen in vier Quadrate aufgeteilt (mit Trennwänden), die in der Mitte offen sind. Dort befindet sich ein eiförmiger Stein auf einem Podest.
Wir ordneten zunächst Symbole für die 4 Elemente (die Himmelsrichtungen liegen genau in den Ecken der Quadrate) an und als Besucher*innen kamen zogen wir einen Kreis mit einer Räucherung, luden die Elemente ein und meditierten mit der folgenden Meditation über Mutter Erde. Anschließend luden wir noch zu einem kleinen Gespräch.

Es ist schwer, einem solchen Ort Wärme zu verleihen. Leider ist auch die gesamte Ausstellung eher „künstlich nachgebaute Natur“. Ich persönlich kann sehr gut im Räumen und Tempeln feiern, weiß aber auch Momente draussen zu schätzen – aber in Natur…

Wer von euch die IGA besucht, die noch bis Oktober läuft, kann sich diesen Ort anschauen und sich ein Bild machen.

Meditation (von Ragna Runenweg)

Erdenmutter mit den vielen Namen!
FRIGG heißt du in Asgard – deinen Mantel breitest du schützend über alle, die deines Schutzes bedürfen. Du bist die, die alles weiß und doch nichts sagt – schweigende, tragende, nährende Erde.
Mit Odin hast du dich vermählt, dem Herrn der Lüfte. Er reitet auf Sleipnir durch alle Welten uns lässt seine Suche nach Weisheit nie enden. Odin, der große Verwandler.
Er ist das Werden und das Suchen.
Du, Frigg, bist das Sein und das Wissen.
Und euer beider Kraft vereint stärkt unser Leben hier in dieser Welt: Erst wenn wir starke Wurzeln haben, mit beiden Beinen und voller Vertrauen auf dieser unserer Erde, Midgard, stehen, können wir unsere Schwingen ausbreiten und unsere Seele auf Erkundungsflüge schicken.
Erdenmutter mit den vielen Namen!
In Jötunheim, dem Reich der Riesen, wirst du JÖRD genannt. Du bist die wilde Natur, ungezähmt. Du bist das felsige Land, das sich jedem Pflug entzieht. Du bist die freie Steppe, der Urwald – und Deine Stärke, Erdmutter Jörd, wohnt jedem kleinen Pflänzchen inne, das sich mit Riesenkraft durch eine Asphaltdecke bohrt. Oder in der Ritze zwischen Gehsteigplatten blüht. Deine Kraft liegt in jungen Birken, die auf Schutthaufen wachsen. Und all das, was Gärtner gerne „Unkraut“ nennen, weil es wächst, wo es KANN, nicht wo es SOLL – auch das, ist deine Kraft, Erdriesin Jörd: die pure Lebenskraft, unverwüstlich.
Und stark wie du, Jörd, ist auch dein Sohn Thor. Er, dessen Vater Odin ist, beschützt die Götter in Asgard. Er ist auch Beschützer der Menschen, die ihn rufen. Und er kämpft, Jahr für Jahr, für dich, Erdenmutter, indem er die Winterriesen in die Flucht schlägt! Mal geht es schneller, mal langsamer – aber irgendwann gewinnt der starke Ase, irgendwann kommt jedes Jahr der Frühling, und du, Mutter Erde, kannst neu erblühn.
Und auch in uns wirkt deine wilde Kraft – in jenen Teilen unserer Herzen, die noch nicht begradigt und umzäunt, gemäht und umgegraben worden sind. Die Kraft der riesischen Erdenmutter ist immer da, wenn wir uns FÜR das Leben entscheiden, und dafür auch mal ein kleines, menschengemachtes Zäunchen niederreißen.
Erdenmutter mit den vielen Namen!
In Wanaheim bist du NERTHUS, die Schwester und Gemahlin von Njörd! Oh, Wanaheim – das Reich voller Schönheit und Lebenskraft! Weise werden die Wanen genannt, und was sie zu uns nach Midgard bringen, ist Fruchtbarkeit und gutes Gedeihen!
Kein Wunder, dass man dich, Erdmutter Nerthus, in alter Zeit hoch verehrte! Deinen Segen erbat man für die Landwirtschaft, indem man dein Abbild, geschnitzt in Holz, durch die Äcker und Gärten trug.
Und aus deiner Verbindung mit dem Herrn der Meere, Njörd, gingen zwei ganz besondere Kinder hervor: Freyja und Frey, auch sie Zwillinge.
Sie sind – neben vielen anderen Aspekten – die Kräfte des Frühlings, und ihre höchste Kraft entfaltet sich im Mai. Wenn alles, was grünen kann, ergrünt ist. Wenn bunte Blüten nicht mehr nur vereinzelt, sondern in üppiger Pracht unsere Sinne erfreuen.
Die wanischen Zwillinge nähren unsere Sinnlichkeit auf allen Ebenen: Gut soll es sein und schön dazu. Sie sind da, wenn wir mit Liebe handeln.
Wenn wir eine Bienenweide säen, dann ehren wir Freyja und Frey. Wenn Menschenhände freudvoll in der Erde graben, sind sie da, nicht, wenn wir ihre Mutter, Nerthus, mit künstlichem Dünger vergiften.
Rufen müssen wir die Götter nur selten, in wirklich wichtigen Fällen. Sie sind DA, wenn wir sie spüren wollen: In der Schönheit der Natur, in der Dankbarkeit für alles, was wächst und uns nährt, in unserer Liebe zum Leben in all seinen Formen.
Und nehmt diese Bilder mit:
von der wilden Jörd,
der nährenden Frigg,
der fruchtbaren Nerthus
und von Freyja und Frey, die das Nützliche liebend gern mit dem Schönen verbinden.
Heil sei Dir, Erdenmutter!
Und heil sei uns, die du nährst, und die wir dich ehren.

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